24. Mai 2026
Der perfekte Multi-Sampler? (Rompler)
Auf meiner langen Suche nach einem Gerät, mit dem ich unkompliziert Multi-Samples spielen kann, habe ich endlich ein Gerät gefunden, dass meine Anforderungen erfüllt. Dabei sind die eigentlich gar nicht so hoch. In den letzen Monaten habe ich einige Gerät ausprobiert. Auf keinem konnte ich jedoch einfach Ordner mit WAV-Samples speichern, die anschließend chromatisch spielbar sind.
Ziel der Aktion ist, Instrumente aus Logic auch DAW-less spielen und schnell darauf zugreifen zu können. Spoiler: Ausgerechnet das günstigste Gerät, ist das einzige, dass die meisten meiner Anforderungen erfüllt.
Roland P6
Mein erster Sampler war der Roland P6. Theoretisch kann der P6 ein(!) Sample chromatisch spielen – die Samples müssen allerdings mit Roland-Software in ein bestimmtes Format gebracht werden. Das ist ziemlich umständlich.
Yamaha Seqtrak
Die Sample-Funktion des Seqtrak ist der des P6 sehr ähnlich. Auch hier ist nur ein Sample pro Instrument möglich und auch sonst sind die Möglichkeiten sehr eingeschränkt.
Sonicware ELZ_1 play
Der ELZ_1 ist ein ganz fantastischer Synth, der wirklich Spaß macht. Leider kann man wavs hier aber nur als wavetable nutzen und nicht als Sample.
Critter + Guitari Organelle
Große Hoffnung habe ich in die Organelle gesetzt – vor allem weil ich die Hardware sehr großartig finde. Theoretisch kann die Organelle auch als Sampler genutzt werden. In der Praxis fand ich das Handling allerdings viel zu umständlich. Schade.
Torso S4
Der Torso S4 ist ein ganz fantastisches Tool, mit dem sich großartige Sounds erzeugen lassen. Der S4 kann auch für chromatisch gespielte Samples genutzt werden. Leider auch hier wieder nur ein Sample pro Instrument – dafür sind die Möglichkeiten, den Klang aber weiter zu bearbeiten, schier unbegrenzt. Was mich sehr stört: Man kann keine Instrumenten-Patches speichern. Attack, Release etc muss mal also, wenn man ein WAV lädt, immer wieder neu einstellen. Alternativ können die Einstellungen natürlich im Projekt gespeichert werden – dann aber halt nur 4 Stück – und die Spuren sind dann nicht mehr für z.B. Looping zu nutzen.
1010music blackbox

Bei meinen Recherchen wurde mir immer wieder die 1010music Blackbox empfohlen. Mit der Blackbox lassen sich sogar automatisch Multi-Samples von angeschlossenen Synth erstellen. Allerdings ist die Software der Blackbox aus meiner Sicht ein völliger Fail. Ich habe gehofft und erwartet, dass ich auf eine Instrumentenliste der Multi-Samples zugreifen kann, das ist jedoch so nicht möglich. Man kann zwar mehrere (Multi-)Samples auf dem 4×4 Pad-Raster verteilen, allerdings kann man mit einem angeschlossenen MIDI-Keyboard dann immer nur eins, bzw. alle gleichzeitig spielen. Zwischen den einzelnen Instrumenten wechseln, geht nur, indem man am Keyboard den MIDI-Channel wechselt. Unpraktisch.
Samplerbox
Die DIY-Samplerbox (www.samplerbox.org) kommt dem, was ich will, im Prinzip sehr, sehr nah. Hier hat mich eigentlich nur gestört, dass die Box nur über ein numerisches Display verfügt.
Durch ein Video von Floyd Steinberg bin auf den Pirate Audio-Hat aufmerksam geworden: https://www.youtube.com/watch?v=2HWTC6XzUw8 und schließlich auf der Seite http://chromakinetics.com/samplerbox/ gelandet. Hier wird erklärt, wie man die o.g. Software der Samplerbox auf einem Raspberry Pi installieren und mit dem Pirate Audio-Hat nutzen kann. Der Pirate Audio-Hat verfügt über ein kleines Farbdisplay, 4 Buttons und einem Audio-Ausgang.
Raspberry Pi Zero 2W + Pirate Bay Audio Hat
Tatsächlich ist der Raspberry Pi Zero 2W mit einem Pirate Bay Audio Hat aus meiner Sicht im Moment die beste Möglichkeit um Multi-Samples chromatisch spielen zu können. Kostenpunkt: ca. 50€

Leider ist die Samplerbox kein fertiges Gerät, das man einfach kaufen und nutzen kann. Und tatsächlich erfordert die Einrichtung und Konfiguration idealerweise ein bisschen Vor-Erfahrung mit einem Raspberry Pi und dem Terminal. Dafür hat man ein Gerät, dessen Software komplett zugänglich ist und das man ggf. selbst weiterentwickeln kann. Glücklicherweise ist die KI dabei aber eine große Hilfe.
Apropos KI: Mit Hilfe von Claude, habe ich das User-Interface des Sample-Players noch grundlegend überarbeitet. Im Original von Chroma Kinetics verfügt die Software über sehr viele Features und erfordert Deep-Diving durch die Menüs. Ich wollte die Auswahl der Instrumente so einfach und schnell wie möglich machen, habe also alle Einstellungsmöglichkeiten entfernt und das GUI mit folgender Datei auf die Auswahl der Instrumente begrenzt.
Die Settings für die einzelnen Instrumentenpatches lassen sich über definition.txt-Files in den Sample-Ordnern definieren.
Am Ende habe ich jetzt also ein Gerät,
- mit dem ich Multi-Samples chromatisch mit ein MIDI-Keyboard spielen kann
- mit einer übersichtliche Liste der Instrumenten-Patches
- ohne Deep-Diving-Menüs
- auf dem ich Instrumenten-Patches/Samples ganz einfach per SFTP im WLAN ergänzen kann

Noch ein paar Tipps für den Umgang mit dem Sample-Player:
Sample-Upload
Die Samples lassen sich komfortable mit einem FTP-Programm auf den Raspberry Pi laden. Problem ist: Das Laufwerk ist nach dem Start immer schreibgeschützt. Bevor der Upload erfolgen kann müssen die Rechte also angepasst werden. Das funktioniert, nachdem du dich per SSH am Raspberry Pi angemeldet hast, mit folgendem Befehl im Terminal:
sudo umount /samples
sudo mount -o rw /dev/mmcblk0p3 /samples
Software-Anpassungen
Das gleiche gilt für Software-Anpassungen. Wenn du z.B. ein Python-File ersetzen willst, musst du auch hier den Schreibschutz zunächst aufheben:
sudo mount -o remount,rw /
Logic Auto-Sampler aif in wav konvertieren und Dateinamen anpassen
Wenn du Audio aus Logic mit dem Auto-Sampler exportierst, erstellt Logic Files, die z.B. so aussehen: Piano-C4-V127-UG9C.aif Um diese Files auf dem Sample-Player nutzen zu können, müssen sie in wavs konvertiert und die Dateinamen angepasst werden. Das funktioniert mit folgendem Befehl im Terminal:
for f in *.aif; do
inst=$(echo "$f" | sed -E 's/-[A-G]#?[0-9]+-V127-[A-Z0-9]{4}\.aif$//')
mkdir -p "$inst"
note=$(echo "$f" | sed -E 's/^.*-([A-G]#?[0-9]+)-V127-[A-Z0-9]{4}\.aif$/\1/')
afconvert -f WAVE -d LEI16 "$f" "$inst/${inst}_${note}.wav"
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